Auch die bildende Kunst ist ein fester Bestandteil der inselfriesischen Kultur und Identität. Die Inseln und Halligen haben zahlreiche Kunstschaffende zu beeindruckenden Landschaftsgemälden inspiriert, in den Häusern der wohlhabenderen Familien finden sich seit jeher kunstvolle Darstellungen auf Schiffstruhen und Wandgemälde aus dem Seefahrtsleben und die Grabsteine der Inseln haben ihre eigene traditionelle Bildsprache. Seit 2009 ist in unmittelbarer Nachbarschaft zur Ferring Stiftung auch das Museum Kunst der Westküste untergebracht, dessen eigene Sammlung über 700 Werke umfasst, die einen starken Fokus auf die Themengebiete Meer und Küste haben. Durch die Verknüpfung der traditionellen lokalen Bildthemen und wechselnde Ausstellungen aus Kunstgeschichte und Gegenwartskunst ist Alkersum ein bedeutender Standort für Kunst geworden.
Die Ferring Stiftung unterstützt die Arbeit von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die die inselfriesische Kunstwelt erforschen möchten oder von Künstlerinnen und Künstlern, die von der lokalen Tradition inspiriert sind und ihre Visionen umsetzen wollen. So haben wir beispielsweise das Projekt Föhrer Trachten unterstützt, eine Fotodokumentation der traditionellen Trachten und ihrer Trägerinnen auf Föhr und Amrum.
Der Maler Oluf Braren
Unter dem Motto „Zimmer frei für Föhrer Maler“ wurde in unseren Räumlichkeiten außerdem der „Oluf Braren Rüm“ eingerichtet. Hier wird eine überwiegend in Originalgröße reproduzierte Werkauswahl des Föhrer Künstlers gezeigt, der von 1787 bis 1839 gelebt hat. Joachim Taege hat von 2017 bis 2021 ein Projekt in der Ferring Stiftung durchgeführt, um das Leben und Werk des Malers aufzuarbeiten und zu dokumentieren.
Oluf Braren (25.02.1787–22.03.1839) war zu seinen Lebzeiten unbekannt, erfuhr aber zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine große Wertschätzung in der Kunstwelt und gilt inzwischen als der vielleicht ursprünglichste unter den nordfriesischen Malern. Er wuchs als Sohn eines Schmieds in Oldsum auf, übernahm den elterlichen Betrieb jedoch nicht, sondern wurde Lehrer. Seine künstlerischen Fertigkeiten entwickelte er ausschließlich autodidaktisch. Er schuf bemerkenswerte Tierzeichnungen, die er im Unterricht verwendete. Sein künstlerischer Schwerpunkt waren allerdings Szenen des Volkslebens, Porträts und vor allem farbintensive, präzise ausgeführte Bilder von Frauen in friesischer Tracht. Dazu kommen Darstellungen zu religiösen und mythologischen Themen, die stark von der Begegnung mit dem berühmten Maler Johann H. W. Tischbein beeinflusst wurden.
Doch durch einen moralischen Fehltritt verlor Oluf Braren Ansehen und Stellung in seiner sittenstrengen Umgebung: Aus einem Verhältnis mit Ing Peter Matzen aus Hedehusum gingen zwei uneheliche Kinder hervor, obwohl er mit der Sylterin Merret Wilhelms verheiratet war. Nur dank der Fürsprache des Pastors Richard Simon Petersen durfte er seinen Beruf weiterhin als Hilfslehrer mit stark reduziertem Einkommen in Toftum ausüben.


