Auf den Inseln Föhr und Amrum wird von einem großen Teil der Bevölkerung Nordfriesisch gesprochen. Die Föhrer selbst nennen ihr Friesisch Fering, die Amrumer Öömrang. Neben Fering und Öömrang gibt es weitere nordfriesische Varietäten wie Sölring auf Sylt, Halunder auf Helgoland oder Frasch auf dem nordfriesischen Festland. Nordfriesisch ist eine eigenständige Sprache und in Deutschland offiziell als Minderheitensprache anerkannt. Es kommt immer wieder vor, dass Nordfriesisch mit Plattdeutsch (bzw. Niederdeutsch) gleichgesetzt wird, es handelt sich jedoch um zwei separate Sprachen, auch wenn es sprachliche Ähnlichkeiten und geographische Überschneidungen gibt. So wird im Kreis Nordfriesland sowohl Friesisch als auch Plattdeutsch gesprochen und auch im Ostteil Föhrs finden sich noch viele Sprecherinnen und Sprecher des Plattdeutschen. Durch intensiven Sprachkontakt in der Region finden sich viele Gemeinsamkeiten im Friesischen mit dem Plattdeutschen, dem Hochdeutschen und dem Dänischen.
Auch wenn es sich bei Nordfriesisch um eine der kleinsten Sprachgemeinschaften in Europa handelt, sind gerade auf Föhr und Amrum die Sprecherzahlen stabil und es sprechen ca. 4.000 Menschen die beiden Inselvarietäten.
Für die Ferring Stiftung ist die Bewahrung und Förderung der friesischen Sprache ein zentrales Anliegen. Zusammen mit dem Nordfriisk Instituut in Bredstedt und den Hochschulen in Schleswig-Holstein (Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und Europa-Universität Flensburg) ist die Ferring Stiftung eine wichtige Akteurin in der nordfriesischen Spracharbeit.
Ressourcen
Unser Engagement beschränkt sich aber nicht auf die wissenschaftliche Arbeit zur Sprache. Wir entwickeln Lehrmaterial für den Friesischunterricht nahezu aller Altersstufen, unterhalten den Radiosender FriiskFunk, der täglich friesisches Programm bietet, bieten regelmäßig Veranstaltungen an, die sich dem Austausch auf Friesisch widmen und veranstalten Vorträge zu wissenschaftlichen Themen. Darüber hinaus gestalten wir Medienangebote, die die Friesische Sprache in den Alltag der Menschen bringt, wie beispielsweise Podcasts und Übersetzungen von Fernsehserien für Kinder.
Die Ferring Stiftung unterstützt zudem die Entwicklung friesischer Wörterbücher, den friesischen Schulunterricht an der Eilun Feer Skuul oder die Förderung von Friesischstudierenden. Außerdem werden in der Ferring Stiftung friesische Texte in einer eigens dafür eingerichteten Abteilung gesammelt, wobei der Schwerpunkt auf Texten liegt, die nur handschriftlich vorliegen oder sich in nicht mehr allgemein zugänglichen Veröffentlichungen befinden.
Sprachbeispiele
Das Buch En hunsfol düntjin enthält Anekdoten von Föhr und Amrum und wurde 2016 in Zusammenarbeit mit dem Friesischkurs der Eilun Feer Skuul herausgegeben. Aus diesem Buch stellen wir Ihnen vier Hörbeispiele des Friesischen vor. Wer mitlesen möchte, findet die friesischen Texte mit deutscher Übersetzung direkt im Buch.
Ferjidelk/
Vergesslich
(Westerlandföhrer Friesisch/Weesdring)
Der Landwirt Christian Roeloffs aus Süderende war mit Pferd und Wagen am Wyker Hafen, um Ferkel abzuholen. Nachdem er noch im Haus der Landwirte eingekehrt war, fuhr er mit dem Bus nach Hause zum Melken.
Ütj tu aanglin saner tes/
Zum Angeln ohne Zähne
(Westerlandföhrer Friesisch/Weesdring)
Claus Clausen und Hein Andresen verlieren beim Angeln beide ihr Gebiss.
Tesken Berlin, Ööwnem an Hongkong/
Zwischen Berlin, Oevenum und Hongkong
(Osterlandföhrer Friesisch/Aasdring)
Graf Adalbert von Baudissin staunt nicht schlecht, als Namine Witt ihm in aller Bescheidenheit über ihre Weltreisen berichtet.
„Jesus ist ein rauer Friese“
(Amrumer Friesisch/Öömrang)
Julius Anton Schau hält einen Badegast mit einer falschen Übersetzung zum Narren.
